Volkstrauertag am 15. November

Das Gedenken am Kriegerdenkmal mit Kranzniederlegung konnte 2020 aufgrund der Coronapandemie nur in kleinem Kreis stattfinden.
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aher auf diesem Wege ein paar Gedanken zum Volkstrauertag von Bürgermeister Manfred Diepold:

Die Corona-Pandemie hat uns allen eine völlig unerwartete, für viele schwere Prüfung auferlegt und – wie es vielfach heißt – vor „eine der größten Herausforderungen seit Ende des Zweiten Weltkrieges“ gestellt.

Der Volkstrauertag in eben diesem Krisenjahr 2020 gibt damit umso mehr Anlass, das Augenmerk zurück auf die nunmehr 75 Jahre zurückliegenden Kriegsjahre 1939 bis 1945 zu richten. Diese rückblickende Perspektive trägt gegebenenfalls dazu bei, die individuelle Sicht auf die aktuellen Ereignisse zu verändern und deren historische Einordnung anzupassen. Über 60 Millionen Menschen verloren damals ihr Leben. Keine Familie blieb von den Auswirkungen des Krieges verschont.

Nach der Kriegsgeneration, die die Schrecken erlebt hat und darüber oft verstummt ist, haben deren Kinder den Schmerz der Eltern gespürt, oftmals ohne, dass darüber gesprochen wurde. Die Enkelgeneration wiederum stellt Fragen und forscht nach. Die nunmehr vierte Generation tut sich mitunter schwer, die Relevanz der 75 Jahre und länger zurückliegenden Ereignisse für ihr eigenes Leben zu erkennen.

Die Menschen in weiten Teilen Europas haben sich an ein Leben in Freiheit, Demokratie und Frieden gewöhnt. Die kollektive Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und das Bewusstsein für die zerstörerische Natur von Nationalismus und Protektionismus verflüchtigt sich. Man sollte nicht einen ungeheuerlichen Krieg überlebt oder die Willkür einer Diktatur erlebt haben müssen, um die Friedenskraft und die Rechtsstaatlichkeitsgarantie der Europäischen Integration wertzuschätzen.

Kriege sind keine Naturkatastrophen, sie brechen nicht aus. Sie werden gemacht. Durch Feindbilder, autoritäre Denkmuster und Propaganda werden sie vorbereitet. Seit 1945 sind weltweit viele Millionen von Toten zu beklagen. Alleine im Jahr 2019 sind weltweit fast 200 gewaltsam ausgetragene zwischen- und innerstaatliche Konflikte, die mit unendlich großem menschlichen Leid, mit Flucht und Vertreibung einhergehen registriert.

Frieden ist keine Selbstverständlichkeit.

Wir müssen diese Einsicht weitergeben an jene, auf die es morgen ankommt. Auch deshalb ist dieser Tag und dieses Gedenken so wichtig.

Manfred Diepold

1. Bürgermeister Eitensheim

 



 

TOTENGEDENKEN

Wir denken  
an die Opfer von Gewalt und Krieg,
an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken
der Soldaten, die in den Weltkriegen starben,
der Menschen, die durch Kriegshand­lungen oder
danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und
Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer,
die verfolgt und getötet wurden,
weil sie einem anderen Volk angehörten,
einer anderen Rasse zugerechnet wurden,
Teil einer Minderheit waren oder deren Leben
wegen einer Krankheit oder Behinderung
als lebensunwert bezeichnet wurde.

Wir gedenken derer,
die ums Leben kamen, weil sie Widerstand
gegen Gewaltherrschaft geleistet haben,
und derer, die den Tod fanden, weil sie an
ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

Wir trauern
um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage,
um die Opfer von Terrorismus und
politischer Verfolgung,
um die Bundeswehrsoldaten und
anderen Einsatzkräfte,
die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.

Wir gedenken heute auch derer,
die bei uns durch Hass und Gewalt gegen
Fremde und Schwache Opfer geworden sind.

Wir trauern mit allen,
die Leid tragen um die Toten und
teilen ihren Schmerz.

Aber unser Leben steht im Zeichen der
Hoffnung auf Versöhnung unter den
Menschen und Völkern,
und unsere Verantwortung gilt dem
Frieden unter den Menschen zu Hause
und in der ganzen Welt.

(Dr. Frank-Walter Steinmeier 2019)